The Jog III (15K) – Vom Walde verschluckt


Training 150525_sat

Howdy Fitness-Family!

Ich hoffe, ihr habt alle wunderschöne Pfingsten verbracht und seid schon wieder fleissig am Trainieren.

Wie ich am Pfingst-Sonntag vorangekündigt hatte, war auf Pfingst-Montag der nächste Jog geplant.

Pünktlich um 15.00 Uhr traf mein neuer Jogging-Freund mit Frau, Kind und Kegel bei uns ein. Sie haben sich dem Rummel am Pfingstfest im „Park im Grüene“ gestern auch noch angetan und waren sichtlich geknüppelt.

Pünktlich um 15.05 Uhr, gerade als wir Kaffee auftischten, öffnete unser liebster Freund Petrus wieder die Schleusen und liess es Schiffen, also ob gleich die Welt unterzugehen hätte. (An dieser Stelle auch nochmals „Vielen herzlichen Dank nach da oben!!!“)

Ja, das war wieder mal so ein Moment, wo man sich denkt: Warum ich? Warum nur??? 😉

Jetzt erst fiel mir auf, dass mein Jogging-Freund ja Jeans trug, sich auffällig tief in unser Sofa sinken liess und krampfhaft versuchte nicht aufzufallen. Aha! Der wollte ja gar nicht joggen gehen! Er befürchtete wohl, ich könnte noch weiter joggen wollen, als beim letzten Mal.

So warteten wir bei Kaffee und Biscuits und unterhielten uns darüber, wie schön es doch hier in Thalwil sei und wie gut sich unsere neu zugezogenen Freunde schon eingelebt hatten. Sie, Marathon-Läuferin (!) und Sport-Enthusiasten war ganz begeistert von unseren tollen Naherholungs-Gebieten, dem See, dem riesigen Wald. Ich erklärte ihr, dass der Wald perfekt zum joggen sei und dass man sich darin nicht verlaufen könne, weil oben auf dem Grat die Autobahn unüberhörbar und unübersehbar den Wald durchschneide und sich unten im Tal die Sihltalstrasse der Sihl entlangschlängle.

Gegen 17.00 Uhr wurden die Kleinen nervös. Die Müdigkeit hatte sie, ihre Gehirne fuhren runter und die Spielsachen flogen nur noch quer durch unsere Wohnung. Tränen und Geschrei. Zeit für Abschied.

Die Sache mit dem gemeinsamen Joggen hatte sich damit erledigt. Aber nicht für mich. So prüfte ich, wie denn die Stimmung bei meinen Familien-Angehörigen sei und ob sie mich für eine Weile, einen Jog lang, vermissen würden. Schatzi war einverstanden (oder froh?). Unsere süsse Kleine auch, ganz begeistert sogar. Fast zu begeistert!

„Papi, ich will auch mit Joggen kommen!“ (Ahm, wie sag ich’s ihr?) „Mmmh, das ist jetzt ein Bisschen schwierig, weil der Papi möchte eben diesmal etwas weiter joggen und auch etwas schneller.“

UUUUUÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!! UUUUÄÄÄÄÄÄÄÄ!!! UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄÄÄÄÄÄH!!!
UÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH-RABBÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!
ICH WILL AUCH MIT JOGGÄHÄHÄHÄÄÄHN!!! UUUÄHÄHÄHÄHÄÄÄHH, UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHHÄHÄHÄÄÄÄÄÄÄÄH!!! MBRÜÜÜÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!

Ratlosigkeit bei den Eltern. Was machen wir nur? Draussen regnete es immer noch, es war schon nach 17.00 Uhr, die Kinder waren sterbensmüde und konnten eh keinen klaren Gedanken mehr fassen. Aber das Weinen und das Geschrei hätte kein Ende mehr genommen. So versuchte ich rauszuhorchen, was Schatzi von der Idee hielt, gemeinsam auf den Vita Parcours zu gehen, gemeinsam eine Runde zu drehen, Kinderlelin und Mami könnten danach mit dem Auto nach Hause fahren und der Papi drehte noch eine Runde? Begeisterung hätte sicher anders ausgesehen, aber Schatzi und ich erlebten das ja nicht zum ersten Mal. Widerspruch wäre zwecklos gewesen.

Also packten wir uns wetterfest ein. Als ich unserer Süssesten die Schuhe anzog, fragte sie, wo wir denn nun hingehen. Ich erklärte ihr, dass wir jetzt auf den Vita Parcours gingen. Auf welchen denn, erkundigte sie sich. Auf den in Rüschlikon, auf dem wir schon zweimal waren, erklärte ich ihr.

UUUUUÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!! UUUUÄÄÄÄÄÄÄÄ!!! UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄHÄÄÄÄÄÄH!!!
UÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH-RABBÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!
ICH WILL NICHT AUF DIESEN VITA PARCOURS!!! ICH WILL AUF DEN
ANDEREN!!! UÄÄÄÄÄH!!! UUUÄÄHÄHÄHÄHÄHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHH, UÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHÄHHÄHÄHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!

Aber Schatzileinchen, auf welchen meinst du denn? Wir waren doch bisher nur auf diesem Vita Parcours.

UÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄH-UÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH-RABBÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!
ICH WILL NICHT AUF DIESEN VITA PARCOURS!!! ICH WILL AUF DEN
ANDEREN!!! UÄÄÄÄÄH!!! UUUÄÄHÄHÄHÄHÄHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHH, UÄÄÄÄÄÄÄÄÄHÄHÄHHÄHÄHÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!

Möchtest du denn auf den Vita Parcous in Gattikon/Thalwil gehen?

MMHMMM. *schluchhhhhzzz*

So machten wir uns auf den Weg gen Gattikon zu und parkten unseren Wagen in der Tiefgarage im Rosengarten. Schon auf den ersten Metern in Richtung Start viel unsere Süsseste zurück. Wir waren noch nicht mal am Laufen. Sie wirkte sehr sehr müde… Nach knapp 150 Metern entdeckte sie den Spielplatz auf dem Schweikrüti Schulhaus-Areal.

Gehen wir jetzt auf den Spielplatz? – Nein, wir gehen jetzt auf den Vita Parcours.

NEIN ICH WILL ABER AUF DEN SPIELPLATZ!!!! UUUÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!

Schatzi hatte die zündende Idee: Mama und Kinder gehen auf den Spielplatz und fahren anschliessend mit dem Wagen nach Hause und Papa geht alleine joggen.

Fröhlich und erleichtert hüpfelte ich nach dieser 45 Minuten-Odyssee dem Walde entgegen. Endlich allein! Endlich frei! 😉

Der dichte Wald war regennass, saftiges Grün umschloss mich, das Kies raschelte unter meinen Füssen, Äste knackten und das Geschrei der Vögel übertönte alle Geräusche. Magisch mutete die Szenerie an. Ich fühlte mich an einen anderen Ort versetzt. In einen Urwald. Der Wald begann mich zu verschlucken.

Mein Weg führte mich erst etwas hinunter in Richtung Sihl, dann ein Stück geradeaus, dann wieder etwas nach oben und wieder nach unten. Ich bog nach links bergwärts ab um nicht zu weit nach unten an die Sihl zu gelangen. Dann ging es steil nach oben und wieder etwas flacher geradeaus. In meinem Kopf verfolgte ich meine Route auf einer imaginären Landkarte. Als alter Kampffahrer, der einen Pinzgauer 6×6 im Vollrausch, mit verbundenen Augen und auf den Rücken gefesselten Händen unfallfrei durch’s Unterholz navigieren könnte, wusste ich, ich würde mich nie verlaufen. Erst recht nicht in meinem Wald.

Meine Polar V800 zeigte die ersten drei Kilometer an. Noch nicht weit, aber ich wurde langsam warm. Ich hatte mir kein konkretes Ziel gesetzt. Ich wusste nur, ich wollte mehr als die 10 Kilometer von unserem „Jog I“ laufen. Die Kilometer zogen sich.

Ich bog nochmals links ab und wollte etwas näher zum Grat und zu der Autobahn gelangen. Da lichtete sich der Wald. Ein kleines Strässchen zeigte sich. Ich entkam dem Walde. Der Wald hatte mich wieder ausgespuckt.

Grüne Felder und Wiesen und in der Ferne ein paar Bauernhöfe: „Verdammte Scheisse! Wo bin ich?“

Kann es sein, dass ich der grösste Navigator nördlich der Alpen, der geografische Rückgrat der Schweizer Streitmacht sich vor seiner eigenen Haustüre verlaufen hat?

Etwas verunsichtert joggte ich über einen Kiesweg einem Bauernhof entgegen, welcher sich als verlassen herausstellte. Etwas weiter hinten, nahe dem Horizont konnte ich zwei Reiter, die gerade ihre Pferde spazieren führten, ausmachen. Also beschleunigte ich, damit ich die beiden noch vor dem Horizont erreichen würde. 😉

Der freundliche Herr orientierte mich, dass wir uns in Horgenberg befänden und dass der schnellste Weg zurück nach Thalwil in die andere Richtung ginge. Ich erklärte ihm dass ich nicht sofort zurück wollte, aber froh sei, wieder zu wissen, wo ich mich befände. Ich joggte weiter. Aber noch nicht zurück in Richtung Thalwil.

Kurz vor dem Horgenberg-Weiher entdeckte ich einen Wander-Wegweiser, welcher mit „Kilchberg / Zürich“ beschriftete war. Die Richtung war richtig und ich war weit genug gelaufen, um die 10 KM-Marke vor meiner Rückkehr überschritten zu haben.

Dem Waldrand entlang ging es zurück in Richtung Heimat. Das Rauschen der Autobahn wurde wieder lauter und ich glaubte wieder zu wissen, wo ich mich befand. Nach einer grossen Kreuzung, die ich mit Sicherheit kannte, tauchte ich wieder in den Wald ein und orientierte mich am Geräusche-Pegel der Autobahn. Jetzt begann es zu regnen.

Ich joggte etwas schneller und schaute, dass ich nicht direkt neben der Autobahn herjoggen muss. Der Wald um mich herum wurde wieder dichter. Ich fühlte mich wieder geborgen im Bauche von Mutter Natur.

Nach einer guten halben Stunde lichtete sich der Wald abermals. Gespannt schaute ich, wo ich denn nun rauskam und entdeckte grüne Felder und Wiesen und in der Ferne ein paar Bauernhöfe… Nein!

NEEEIN!!! VERDAMMTE SCHEISSE, ICH BIN WIEDER IN HORGENBERG ANGEKOMMEN!!! ICH WAR IM KREIS GERANNT!!!

Jetzt galt es, sich zu beeilen, um noch bevor die Nacht hereinbricht, wieder zu Hause anzukommen. Schatzi und die Kleinen sorgen sich sicher schon um mich (oder?). Ich kürzte ab und nahm den direkten Nachhause-Weg, welchen der Reiter mir empfohlen hatte. Direkt über die grosse Kreuzung und diesmal direkt neben der Autobahn her in Richtung Thalwil.

Der Weg war beschwerlich, es regnete, es stank nach Abgasen, die Autos dröhnten und der Asphalt unter meinen Füssen gab denselben und meinen geschundenen Knien den Rest. Ich war schon fast auf 10 KM. Ich dürfte wohl die 15 KM-Marke knacken. Freiwillig? Aber sicher doch! 😉

Nach unendlichen Kilometern kam ich durch die geliebten Strassen von Thalwil endlich wieder nach Hause. Das Stretching auf dem Spielplatz vor unserem Haus wurde von einem Wolkenbruch abrupt beendet.

Schatzi und die Kinder freuten sich, mich wieder zu sehen. Ich fühlte mich wie neu geboren und glücklich endlich zu Hause, endlich bei Frau und Kindern, endlich in der Wärme zu sein. Aus den Töpfen in der Küche stieg wohlduftender Dampf auf. Es gab 440 Gramm Poulet-Brust (nur für mich!), gekochte Bohnen und Reis. Und literweise Wasser.

Insgesamt war ich 1 Std. 26 Min. auf schwierigem Terrain unterwegs. Das Training hat mich ordentlich gefordert. Man könnte fast behaupten, es hätte mir etwas arg zugesetzt.

Liebend gerne hätte ich ein paar Impressionen von dem Lauf gepostet, da aber der 32 GB-Speicher meines Nokia Lumia 1020 (das Ding habe ich genau dafür mitgeschleppt), wie auch der 7 GB OneDrive-Speicher voll war, konnte ich keine Bilder abspeichern!

Der Polar Flow-Service ist seit Tagen down! (@polarglobal) Seit heute Nachmittag läuft er zeit-/teilweise wieder.

Ergebnisse:
Totale Trainingszeit: 1:26:38 (+21%)
Zurückgelegte Distanz: 15.24 KM (+51%)
Durchschnittliche HF: 163 BPM (-1)
Verbrannte Kalorien: 1’309 KCAL

Running Index: 48 (+3)

Aha! Mein Running Index hat sich leicht verbessert! 😉

Training 150525_details

Equipment:
Gadgets: Polar V800
Schuhe: Brooks Ghost 6
Kleidung: Nike Running

Ja, die 15 KM haben gereicht. Beine und Hüftstrecker funktionierten noch prima und hätten noch mehr geschafft, aber meine Füsse fühlten sich nach dem langen Asphalt-Laufen wie Birchermüesli an.

Mein Bewegungs-Tagesziel war damit auch wieder zu 321 % erreicht.

Hier kannst du mein Workout nacherleben: https://flow.polar.com/training/relive/94750408

– Nachtrag vom Dienstag, 26.05.2015:
UAAAAAAAAAAAH, MEINE KNIIIIE!!!

– Nachtrag vom Mittwoch, 27.05.2015:
Oh Gott, meine Knie!!!

– Nachtrag vom Donnerstag, 28.05.2015:
  Oh Gott, ich kann wieder gehen! Es ist ein Wunder!!! ICH KANN GEEEHEN!!!

Ich wünsche euch allen einen sonnigen Feierabend!

Geht raus und rennt! Rennt um euer Leben!

Get your ass up!

Euer Malick

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